Heiß auf Eis

032 - 7. Februar 2014

 

„Was guckst du denn so?"

„Geh aus dem Bild du schwarzes Pelzdings."

„So?"

„Hmmh."

„Was guckst Du denn so?"

„Schnauze", brüllt Vadder und stiert in die große weiße Einöde auf dem Fernseher. Plötzlich huschen ein paar papageienbunte Punkte aus dem Nichts über den Bildschirm.

„Siehste!", brüllt Vadder.

„Siehste was?"

„Ganz vorne", brüllt Vadder, „Unserer! Hopp, Hopp, Hopp!"

Mudder guckt erschrocken ins Zimmer, schüttelt den Kopf und schließt die Tür.

„Siehste!", brüllt Vadder.

„Siehste was?"

„Ganz vorne", brüllt Vadder, „Immer noch unserer! Hopp, Hopp, Hopp!"

Zehn Minuten später brodelt Vadder auf dem Sofa. Wenn man genau hinsieht, erkennt man Rauchfahnen, die sich aus seinen Ohren kräuseln.

„Siehste!", stöhnt Vadder.

„Siehste was?"

„Verloren", sagt Vadder, „abgehängt, letzte Runde."

„Hopp, Hopp, Hopp", frage ich, „hat nicht geholfen?"

„Scheiße", sagt Vadder, „die anderen sind gerannt wie die Teufel."

„Na, ja", sage ich, „Hopp, Hopp, Hopp ist vielleicht ein bisschen zu international."

„Gerannt wie die Teufel", sagt Vadder.

Ich sage: „Gerannt ist irgendwie das falsche Wort. Rennen kann man ja nicht, mit solchen Brettern an den Beinen."

„Bretter", stöhnt Vadder, „das sind doch keine Bretter. Das sind Ski und die sind schon seit Ewigkeiten aus Kunststoff."

„Aha", sage ich, „Kunststoffbretter, die man sich an die Beine bindet, damit das Laufen ulkiger aussieht."

Vadder stöhnt: „Ohne Bretter würdest du im Schnee einsacken, mit kannste darüber gleiten."

Ich gucke Vadder mit großen Augen an: „Hast du eben Schnee gesagt? Das Weiße da im Fernseher, das ist Schnee? Ich denke, du hasst Schnee."

„Hmmh", brummt Vadder, „aber nur wenn ich ihn schaufeln oder fegen muss. Außerdem haben wir dieses Jahr noch gar keinen richtigen Schnee gesehen. Guck doch mal aus dem Fenster. Das da, das nennt sich Winter. Da lohnt es sich für die Karnickel gar nicht, sich ein dichtes Fell wachsen zu lassen."

„Früher hatten wir immer Schnee", sagt Mudder von der Tür, „da hatten wir so einen schlechten Empfang, da hat hat es auch im Sommer auf dem Fernseher geschneit."

„Ruhe jetzt", brüllt Vadder, „Olympiade ist nur alle vier Jahre, das muss man sich angucken."

„Du meinst Olympia", sage ich, „eine Olympiade ist der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Und dieser Zeitraum, wie ich sehe, scheint gerade abgelaufen."

„Ruhe!", brüllt Vadder, „sonst läufst Du hier auch gleich ab!"

„Hmmhhh...", mache ich.

„Hopp, Hopp, Ho...", gerade noch fällt Vadder ein, was er eben beim Skilaufen angerichtet hat und hält sich schnell den Mund zu.

Jetzt ist kein Schnee mehr im Fernsehen. Nur noch Eis. Eine Rodelbahn schlängelt sich einen Hang hinunter. Was für ein Unfug, hätten sie die gerade gebaut, würden die viel schneller nach unten kommen. Und diese Kurven sehen auch arg gefährlich auch. Moment mal...

„Siehste?", frage ich.

„Siehste was?", fragt Vadder.

„Siehste auch, was ich sehe?", frage ich.

Zwei Männer in hautengen Anzügen auf einem Schlitten aufeinanderliegend. Live übertragen. Im Fernsehen, zur besten Sendezeit.

„Siehste das?", frage ich.

„Doppelsitzer", sagt Vadder.

„Aha", sage ich, „das zeigen sie einfach so am Nachmittag. Aber den Tatort neulich, erst um 22 Uhr."